Fronten überquerender Mut

Kroatien

RAND ist die kroatischsprachige Abkürzung für "Regionalna adresa za nenasilno djelovanje" ("Regionale Adresse für gewaltfreies Handeln")
In deutscher Sprache erzählen Ana und Otto Raffai von ihrer Ausbildung bei uns und von der Gründung von RAND auf peace-to-go.org


Rundbrief
RAND 2014, von Ana und Otto Raffai

Dieser Rundbrief informiert über das, was bei RAND im vergangenen Jahr (2014) geschehen ist und gibt auch einen kurzen Einblick in den gesellschaftlichen Kontext aus der Region Südosteuropa... Schnelllebige und unruhige Zeiten, in denen wir im vergangenen Jahr gelebt und gewirkt haben…
Wir fangen vom Ende an: Vor einigen Tagen dachten wir noch, dass wir in den letzten Tagen vor Jahresbeginn 2015 in Orasje, der bosnischen Grenzstadt zu Kroatien, sein werden. Dort kamen etwa 120 Arbeiter aus mehreren wirtschaftlich zerstörten Fabriken aus der nordbosnischen Stadt Tuzla zusammen, um auf ihre existenziell aussichtslose Lage aufmerksam zu machen. 75 Kilometer liefen sie fast eine Woche lang von Tuzla bis zum Grenzort zu Fuß, manche inzwischen mit Wunden an den Füßen, andere krank geworden und vorher untergebracht oder nach Hause geschickt. Die häufigsten Sätze, die diese Menschen - laut den Zitaten in den Zeitungsartikeln - sagen: „Schämt euch, wenn ihr so Menschen behandelt, so schämt euch“. In Zahlen übersetzt: für sie wurde in den letzten 59 Monaten keine Sozialversicherung bezahlt, seit etwa der Hälfte dieser Zeit auch kein Lohn. Ihre Bedingungen haben mit der Forderung, 400 BAM (etwa 200 Euro) als "erste Hilfe" für die kommenden Festtage zu erhalten, begonnen. Und doch reden diese Leute noch immer ohne grobe Worte des Hasses, versuchen mit „schämt euch“ und mit dem langen Marsch sich für uns sichtbar zu machen. Das Leiden und die tiefe Enttäuschung zeigen ihre auf Pappkarton geschriebenen Botschaften: „Wir gehen weg und hinterlassen euch Bosnien, wofür wir gekämpft haben, denn wir hungern. Und wir können nicht mehr dieses hin und her-Ziehen aushalten.“ Und auf einem weiterem Pappkarton stand: „Ihr würdet uns auch die Luft stehlen, wenn ihr es nur könntet.“ Sie hungern nach Brot, genauso wie nach Gerechtigkeit. Wir wollten nach Orasje, denn dort war unserer Ansicht nach das aktuelle Bethlehem unserer Region: Diese Arbeiter sind jene ungeschützten Gotteskinder, die wir bildhaft mit dem kleinen Kind Jesus in der Krippe darstellen.

Wir sind nicht hingefahren, denn die Arbeiter haben doch die Aufmerksamkeit des Bürgermeisters von Tuzla gewonnen. Er hat Busse an die Grenze geschickt, die diese ArbeiterInnen nach Hause brachten. Damit erhielt ihr Kampf eine Neujahrspause, denn sie ringen danach weiter um ihre Rechte. Tuzla ist eine wichtige Stadt, aus ihr kamen die Bürgerproteste, die im Februar 2014 Bosnien ein paar Wochen lang entzündet oder auch mit neuer Hoffnung erwärmt hatten. Den Arbeitermarsch Ende 2014 gäbe es nicht ohne die Plena, die im Februar 2014 angefangen hatten. Die gewaltfreien Proteste hinterließen Spuren, die in den Aufbrüchen des sich immer wieder zeigenden Widerstandes beobachtet werden können. Diesem Widerstand sind wir von RAND verbunden, wenn wir uns für Völkerverständigung und interreligiöses Zusammenleben einsetzen. Im vergangenen Jahr geschah dies vielschichtig. Wir versuchen es hier zusammengefasst in drei Bereichen darzustellen. Es ist der Aspekt der Ausbildung, aber auch des Schreibens von Texten, die ein breiteres Lesepublikum erreichen, ferner ist es im Bereich von Begegnungen, die wir genossen und ermöglicht haben, und schließlich im Aspekt der Verbundenheit, deren Kraft wir erkennen und zu vermehren suchen.

(1) Tiefer und breiter

Mit dem Adjektiv „tief“ wollen wir ausdrücken, dass die Ausbildungen von RAND, mit einer begrenzten Anzahl von Leuten in einer Gruppe (meistens 12 bis 15), Lernen ermöglichen. So können wir die Themen, die die Friedensarbeit / das gewaltfreie Handeln betreffen, tiefer und grundlegender behandeln. Mit der Bezeichnung „breiter“ denken wir an eine größere Anzahl von Menschen, die wir erreichen können, indem wir dieselben Inhalte in Texten in Zeitschriften und auf Webportalen veröffentlichen. Wir konnten in diesem Jahr sieben Trainings mit ca. 80 Teilnehmenden durchführen. Die Intensität der Arbeit hat die Tiefe des Lernens ermöglicht. So hat z.B. eine ökumenisch zusammengesetzte Gruppe aus Osijek und Ostslawonien in einem dreitägigen Programm „Anregungen des Evangeliums zum gewaltfreien Handeln“  erkundet und in vielfältigen methodischen Zugängen (Bibliodrama, Basteln und Malen, Gespräche und Rollenspiele) mit Hilfe der Theologie von Walter Wink Themen wie "Feindesliebe" und "politische Wirksamkeit des Glaubens" mit den Grundlagen der gewaltfreien Kommunikation verbunden. Das Training geschah in einer intensiven Arbeitsatmosphäre von Teilnehmerinnen, die in ihrem Alter und ihren politischen Ausprägungen so wie in ihren religiösen Vorerfahrungen recht unterschiedlich waren. Die Thematik, die Anstöße zur Gewalfreiheit aus dem Evangelium, wie die prozessorientierte Arbeitsweise, in der auch Konfliktbearbeitung ihren Raum findet, wird in Kroatien so selten angeboten, dass wir alle, Trainer wie die Teilnehmenden, echt stolz auf diese Trainingserfahrung waren. Diese Energie, glauben wir, vermehrt die Kreativität, bleibt in den Menschen auch nach dem Training und nachdem diese oder jene theologische These in Vergessenheit geraten ist. Den Nachteil dieser Begebenheit, dass unsere Inhalte thematisch wie methodisch eher selten vorkommen, erfahren wir, wenn wir uns mit unseren Texten an die Öffentlichkeit wenden. Im Kontext einer eher die Person angreifenden Kommunikationskultur der öffentlichen Medien ist es eine Kunst, die Inhalte der Gewaltfreiheit und ihre Form auf gewaltfreie Weise politisch zu kommunizieren. Dem gewaltfreien Diskurs aber sind wir verpflichtet, wenn wir monatlich für Svjetlo rijeci (Licht des Wortes), die franziskanische Zeitschrift aus Sarajevo (Bosnien und Herzegowina, die Kolumne „auf gewaltfreie Weise anders“ bearbeiten. Es ist schon das zweite Jahr, in dem wir für diese Zeitschrift schreiben. Die ersten zehn Artikel sind im zweiten Teil des Buches „Upaljene luci“ („Angezündete Lichter“), das der Verein Luc aus Berak herausgab, erschienen. Das Buch wird verschenkt, die Texte breit zum Lesen angeboten. Im vergangenen Jahr haben wir unsere Übersetzungsaktivität auch intensiviert. So sind auf der Webseite von RAND www.rand.hr nicht nur unsere Texte, sondern auch einige aus Publik Forum oder aus frisch geschenkten Büchern, wie aus dem Buch von Bertha von Suttner „Krieg ist der Mord auf Kommando“, zu lesen. Es freut uns, dass damit Impulse in unserer Sprache zum gewaltfreien Handeln und zum Sichtbar-Machen der Frauen als Friedensstifterinnen und -theoretikerinnen gegeben werden. Denn andere Webportale übernehmen sie, und andere TrainerInnen fügen sie in ihre Arbeit auch ein. Es ist unser Versuch, eine andere gewaltfreie Stimme aus der katholischen Ecke zu schicken, die sich in den aktuellen politischen Ereignissen von den populistischen Glaubensverpackungen der politischen Positionen unterscheidet und sich bemüht, über den Sinn der Glaubensinhalte zu informieren. Wir schreiben Texte, die die Information über den Sinn von Dialog, Vergebung, Verständigung aus der christlich geprägten theologischen Sicht als Grundstein des Glaubens erläutern und begründen. Diese andere Weise der Edukation finden wir wichtig sowohl für die Gläubigen wie auch für die Agnostiker oder Atheisten. Bei diesem Unternehmen werden wir stark von unseren Kollegen aus der Initiative Gläubige für den Frieden unterstützt.

(2) Begegnungen genießen und ermöglichen

Obwohl wir die regionale Friedenskonferenz, die - seit zwei Jahren vorbereitet - auf die finanziellen Mittel wartet, nicht wie geplant in diesem Jahr organisierten, fand sich die Initiativgruppe Gläubige für den Frieden regelmäßig auch in diesem Jahr zusammen. Wir führten Aktivitäten durch, die uns zusammenbrachten: Die Deklaration der Gruppe (in deutscher Sprache: http://www.vjernicizamir.org/deklaracija/deklaration-d ) wurde in der Region vorgestellt. Die Deklaration ist jedes Mal Anlass zur Werbung für unser Konzept des Glaubens als friedenstiftende Quelle und zur Gestaltung neuer Kontakte. Ein Teil unserer Gruppe hat in Hamburg zwei Orte besucht: Die Evangelische Gemeinde Blankenese und die ökumenische Wohngemeinschaft Laurentiuskonvent in der Hafen City, wo wir die Initiative vorstellten und von unserer interreligiösen Friedensarbeit Zeugnis gaben. Die Auswertung der Begegnungen in Hamburg hat uns gezeigt, dass wir einerseits unser Ziel, die finanzielle Förderung für die interreligiöse Friedenskonferenz als Schwerpunkt nicht vernachlässigen sollen. Anderseits war der Besuch in Hamburg für unsere Entwicklung wichtig: Als Impuls, nach dem Modell der Nachhaltigkeit der Gruppe zu suchen, d.h. ihrer finanziellen Unabhängigkeit von Projekten. Schließlich bestätigten uns die Gespräche in Hamburg darin, dass wir unsere Verantwortung wahrnehmen, indem wir nach dem Ausmaß und der Art und Weise der Unterstützung der interreligiösen Initiativen in Westeuropa, also außerhalb unserer Region, suchen, die dem steigenden Bedarf nach interreligiösem Zusammenleben auf Augenhöhe gerecht werden. Die für unser Befinden unbegründete Kontrolle unserer Kollegin, die Kopftuch trägt, im Flughafengelände in Hamburg empfanden wir als eine Störung, die wir konstruktiv in den Friedensneujahrsappell umgesteuert haben. Es ist ein neuer Beitrag zum gewaltfreien Handeln gegen Kriegsmanipulation mit der Angst vor Terrorismus. Der Text ist bei uns in Kroatisch veröffentlicht worden, die deutsche Übersetzung legen wir diesem Rundbrief bei. Die Begegnungen begleiteten uns als Gaben in diesem Jahr, aus denen wir Inspiration und Mut geschöpft haben. Im September trafen wir die Benediktinerin Theresa Forcades, die ihren Vortrag in Šibenik (Südkroatien) hielt. Diese Begegnung war eine blitzlichtartige, kurze Gemeinschaft von Menschen, die sich erkennen, Schwester Theresa, wir, Ana und Otto, und Schwester Rebeka, meine Doktormutter, die gemeinsam haben, die Liebe zur Kirche mit dem kritischen Gesellschaftsengagement zu verbinden. Das Engagement, das uns einander nahe bringt, ist Dialogbereitschaft und Fronten überquerender Mut. Immer mehr. So hat uns ein Text über Frauen in Schwarz, den ich (Ana), schrieb, mit dieser Belgrader pazifistischen Frauenorganisation verbunden. Ich war sehr unglücklich darüber, wie der Gedenktag in Vukovar, der jedes Jahr am 18. November in Erinnerung gerufen wird, theologisch interpretiert wurde und beschloss, von den Frauen in Schwarz aus Belgrad zu schreiben. Sie sind es nämlich, die jedes Jahr im Juli nach Srebrenica und im November nach Vukovar kommen, um - wie sie sagen - ihre Solidarität, ihr Mitempfinden und ihre bürgerliche Verantwortung auszudrücken. Diese Frauen werden mit ihrer Motivationsbegründung in den Medien kaum sichtbar. Der Text aber fand Widerhall, er wurde in anderen Portalen veröffentlicht und am Fest des Friedenspreises „Kruno Sukic“ in Osijek von Otto und von Katarina Kruhonja verteilt. Wir haben zwei Frauen von der Gruppe in Belgrad, als wir dort ein Training organisierten, auch getroffen. Die Begegnung war warm, wer weiß, vielleicht ergeben sich daraus weitere Kooperationsschritte.
Den Abschnitt über verschiedene Begegnungen schließen wir mit einer Adventsgeschichte: Wir spazierten durch Blankenese in Hamburg, die Schaufenster waren voll mit Adventskalendern. Azra, unsere muslimische Freundin, fragte, was sie bedeuteten, und wir erzählten von diesem protestantischen Gebrauch, den auch wir Katholiken übernommen haben, so dass auch unsere Kinder die Fenster der Adventskalender jeden Tag aufmachen, um die Überraschungen zu genießen. Azra fand es cool und wünschte sich, auch so was zu haben. Als wir nach Zagreb zurückkamen, erinnerten wir uns daran und schickten ihr einen schönen, grünen Adventskalender, der die Form eines Tannenbaums hatte. Sie schickte uns darauf ihr Foto. Auf dem Foto war sie neben dem grünen Adventskalender zu sehen, in dem Moment, als sie ein Fenster aufmachte. Darunter stand: Alle meine Kolleginnen im Büro sind auf meinen Adventskalender neidisch. So kann auch das Zusammenleben aussehen. Der grüne, tannenbaumförmige Adventskalender und das Aufmachen von einem seiner Fensterchen ist Metapher für einen Schritt zu etwas Neuem, was das Eigene nicht bedroht. Es ist eine neue Perspektive, die möglich wird, wenn der Rahmen dafür geschaffen wird, dass dem Anderen ohne Angst und sogar mit spielerischer Freude begegnet wird.

(3) Die Kraft der Verbundenheit

Die Adventskalendergeschichte ist zugleich eine Geschichte über die Verbundenheit, die wir sowohl in der Region wie auch in Deutschland erleben. Wir schöpfen aus dieser Verbundenheit Kraft und Ideen, die wir in unsere Friedensarbeit weiterleiten können. Vor dem Besuch in Hamburg haben wir die Stiftung "die Schwelle" in Bremen besucht. "Die Schwelle" ist wie die Abteilung Weltkirche im Bistum Limburg die Hauptunterstützerin unserer Arbeit. Vor dem Kuratorium der Stiftung "die Schwelle" berichteten wir von unserer Friedensarbeit. Vorher, im September, gab es einen Besuch von der Stiftung in Sesvete bei uns von RAND. Sowohl im September bei RAND als auch im November bei der Stiftung "die Schwelle" spürten wir unsere Verbundenheit als eine Kraft der Freundschaft, die uns aus der Teilung der gemeinsamen Vision stärkt. Es ist faszinierend, mit welcher Leichtigkeit die neuen, möglichen Aktivitäten in Zusammenarbeit zwischen RAND und Schwelle entstanden sind. Genossen haben wir die feine Art, als Frauen (außer Otto waren wir nur Frauen) Macht zu haben und zu teilen. Dieses Bild von mächtigen Frauen um den runden Tisch im Büro der Schwelle sehen wir als eine Alternative, als eine konkrete Illustration, wie die Welt anders - frauenfreundlich und –fördernd - sein kann. Im Bistum Limburg erleben wir die Verbundenheit mit unserem Freund, Christoph D., der nie müde wird, sich um unser Fundraising zu bemühen. Es geht um mehr als um die Summen: Es geht um seine Sorge. Eine ähnliche Sorge und Begleitung fördert uns seitens unseres Begleiters Martin H. aus Tennenbronn. Die Kraft der Verbundenheit erleben wir Jahr für Jahr mit unserer Gruppe vom Aufbaukurs zum Schalomdiakonat, die sich auch in diesem Jahr in Germete traf und für 2015 das 20-jährige Jubiläum plant. Die langjährige Verbundenheit mit gewaltfrei handeln in der Gestalt einer Kooperationspartnerschaft bewährt sich während des Sommertreffens. Denn was wir tun, ist ein Puzzlestück, das seinen Platz im Gesamtbild genau kennt, das durch die Verbundenheit klar wird und eine Art des Mitempfindens stärkt, z.B. mit Christine B. in Magdeburg im Kontext der Dresdener PEGIDA-Demonstrationen in den letzten Monaten. Wir sind auch dann verbunden mit gewaltfrei handeln, wenn wir andere Meinung vertreten, wie z.B. in der Diskussion darüber, wie offen und oft Gott im öffentlichen Diskurs genannt werden sollte oder bei der Frage, ob es jederzeit möglich ist, im Konsens zu entscheiden. Die Verbundenheit in den Unterschieden bewegt zum Nachdenken, Ringen um Klarheit und Artikulation. Das bringt uns weiter in unserer Entwicklung. Genauso wie wir die Idee weiter spinnen, die wir mit unseren Freunden, Nicola und Christian M. auch gewaltfrei handeln-Kooperationspartnern, zur Zeit auf den Philippinen, entwickeln, das Schalomdiakonat als einen Teil innerhalb der Friedensidentität der Gläubigen in der katholischen Kirche zu fördern. Unsere ersten Versuche in der Hierarchie ergaben keine Resultate, aber das wird uns nicht entmutigen. Es ist ein wichtiges Thema, denn sowohl in unserer Region wie auch weltweit droht das Bewusstsein der Friedenspflicht der Religionen in gefährliche Vergessenheit zu geraten. Und wenn diese Grundlage fehlt, soll man kritisch nach der Legitimierung des jeweiligen Religionsmodus fragen. Auf eine ungewöhnliche Weise erlebe ich, Ana, die Verbundenheit mit Dorothee Sölle. Je mehr ich ihre Texte bearbeite, um so mehr scheint mir, dass ich mit dieser schon seit zehn Jahren verstorbenen Frau diskutiere, als ob sie mich begleitet und mir rät, immer mehr politisch Stellung zu beziehen. Das ist ein unerwartetes Ergebnis meiner Doktorarbeit (meine Dissertation hat den offiziellen Titel: „Gewaltfreiheit in der Theologie der Befreiung von Dorothee Sölle“). Mit der Arbeit bin ich etwa in der zweiten Hälfte, meinen meine Doktormütter. Anfang 2015 werde ich eine Auszeit nehmen und bei Petra G. und Martin H., unserem Begleiter, wohnen und schreiben. So hoffe ich, auch dieses Doktorarbeitsabenteuer glücklich zu beenden. Im März soll ich die Arbeit dann an meine Doktormütter abgeben, um nach ihrer Überprüfungen die letzten Korrekturen zu machen. Ich schaue mit Erleichterung auf diese Zeit, in der der Text, der nicht länger als 300 Seiten sein sollte, fertig sein wird. Obwohl es die Zeit sein wird, in der wir intensiver am Fundraising arbeiten müssen. Denn ab 2016 werden wir wesentlich bescheidenere finanzielle Quellen im Vergleich zur jetzigen Lage haben. Dabei wollen wir ehrlich und dankbar uns für alle Spenden bedanken, die wir in diesem Jahr bekamen - sei es privat, wie auch von Gemeinden, die uns unterstützen. Die Spenden haben uns auch in diesem Jahr finanziell getragen und manche Lücken im Jahr 2015 gedeckt. Auch meine Auszeit wäre ohne sie nicht möglich. Danke.

(4) 25-jähriges Jubiläum

Ja, wir haben auch privat etwas zu berichten. 2014 haben wir unsere silberne Hochzeit gefeiert. Dieses Fest erfreute uns, unsere Kinder, unsere Verwandten und unsere Freunde und verband das Traditionelle (Segen in der Kirche bei der Messe) und das Gegenwärtige (das Fest bei uns zu Hause mit werkstattartigen Elementen, das Aktivisten und Gläubige zusammengebracht hat und vor allem die eher traditionellen Katholiken aus unserer Verwandtschaft begeisterte). Unsere Kinder sind Erwachsene, das haben wir endlich langsam verstanden. Das bringt uns ein bisschen mehr innere Freiheit und ein bisschen weniger äußere Kontrolle, glauben wir. Sie sind politisch auf ähnlichen Gleisen, was mich freut.

(5) 2015 - Aussicht
In den unruhigen Zeiten, die das vergangene Jahr prägten und das Jahr 2015 anscheinend auch nicht anders werden lassen, fragen wir uns, welche weitere Veranwortungen wir auf uns nehmen werden... Weiterhin wird unsere Aufgabe in der Friedensedukation sein, so dass auf die zwei im Jahr 2014 durchgeführten Module mit den Aktivisten für den Frieden (Verein, der eng mit dem interreligiösen Rat aus Sarajevo zusammenarbeitet) das letzte, dritte Modul folgen wird. In Aussicht steht auch die Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum Johannes Paul II, dessen Mitarbeitende Weiterbildung in den Konflikttransformationskompetenzen wie auch in den Kompetenzen der gewalfreien Zusammenarbeit brauchen. Diese Traingsarbeit ist das erkennbare Tätigkeitsfeld von RAND, aber 2015 wollen wir die Übersetzungs- und Schreibtätigkeiten wie auch die Forschungsarbeit von Gläubigen für den Frieden fortsetzen. Die 2014 begonnene Forschungsarbeit braucht finanzielle Unterstützung wie auch die regionale Konferenz. Die Forschung soll zeigen, was die interreligiösen Friedensprojekte in der Region in den letzten 10 Jahren gebracht haben. Unsere Supervisionstreffen ergaben als ein Bedürfnis von RAND, neue Wege zu finden, wie wir öffentlich unsere theologische Kritik aus Gewissensgründen mit dem gewaltfreien Diskurs ausdrücken können. Die Suche nach finanziellen Mitteln für die Regionale Friedenskonferenz soll auch in der Zusammenarbeit mit der Ökumenischen Fraueninitiative aus Omis fortgesetzt werden. Unsere Aussichten sind vielversprechend. Es freut uns ebenso, dass das Jahr 2015 unsrerseits mit einem Appell zum Handeln gegen Intoleranz begonnen wird: https://bosnienszukunft.wordpress.com/2015/01/18/appell-der-initiative-glaubige-fur-den-frieden/

In dieser Aufruf- und Aufbruchstimmung beenden wir diesen Rundbrief und grüßen Euch herzlich.

Ana und Otto Raffai
Sesvete, den 6. Januar 2015

ottoundchristoph

„Als Kooperationspartner fühlen wir uns in unserer Friedensarbeit auf dem Balkan und in Südafrika sehr getragen.“

Otto Raffai und Christoph Baumann