Pilgerweg 2014
"An die Grenzen gehen: Donau-Mitte — EU-Rand"

In Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern Manda und Ivan Prišing (Organisation RAVANGRAD) in Sombor (Vojvodina, Serbien) fand ein Pilgerweg vom 14. bis 19. September 2014 mit 17 Dauer-TeilnehmerInnen und fünf einheimischen Tagesgästen statt.

Ziele waren, TeilnehmerInnen aus verschiedenen Ländern (Deutschland, Serbien, Bosnien-Herzegowina) zusammen zu bringen, ein Bewusstsein für Geschichte und Gegenwart der Region zu wecken und die Arbeit von lokalen Initiativen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung kennenzulernen und zu unterstützen.

Fotos vom Pilgerweg auf https://www.facebook.com/media/set/?set=a.708957089198361.1073741828.705320946228642&type=1

Die auswärtigen Teilnehmenden übernachteten in Privatunterkünften in Sombor und dem einige Kilometer entfernten Bački Monoštor und hatten dadurch zusätzliche Begegnungen mit Einheimischen.

Von den Unterkünften aus starteten sie täglich nach einem geistlich gestalteten Tagesanfang zu verschiedenen Orten am Donauufer, die besondere Bedeutung in der Region haben. An einem Tag wurde die Grenze nach Kroatien zu Fuß überquert, um dort ein herausragendes Denkmal an die Opfer auch deutscher Aggressoren während des Zweiten Weltkriegs zu besuchen. Abends kehrten sie nach einem gemeinsamen Austausch beim Abendessen in ihre Quartiere zurück.

Die Donau fließt in dieser Region durch ein großes Naturschutzreservat. Spannungen zwischen ökologischem Reichtum und Schutzbedürfnis und der Notwendigkeit der wirtschaftlichen Nutzung (Holzwirtschaft, Jagdtourismus) wurden aufgezeigt.

Der Fluss bildet hier auch zu einem großen Teil die Staatsgrenze zwischen Kroatien und Ungarn als EU-Mitgliedern einerseits und Serbien andererseits. Er symbolisiert damit eine politische Abgrenzung des „Hauses Europa“, welche die Teilnehmenden unmittelbar erfuhren, beispielsweise bei den Schwierigkeiten, die eine Teilnehmerin aus Serbien mit ihrem Pass bekam.

Die wirtschaftlichen Probleme der Region wurden erfahrbar bei Besuchen in kleinen lokalen einkommensschaffenden Betrieben (traditionelle Damast-Weberei, „Ethno“-Touristische Initiativen) und bei Informationen über die Lebensbedingungen der Roma.

Der Besuch im Stadtmuseum von Sombor ermöglichte die Begegnung einerseits mit der Geschichte der Region und andererseits den Möglichkeiten, die Künstler sowohl zu Zeiten des sozialistischen Jugoslawiens als auch danach im Bereich des gesellschaftlichen Engagements hatten.

RAVANGRAD, eine Nichtregierungsorganisation, die sich im Bereich Friedensarbeit und „Nachsorge“ nach den Kriegen der 1990er Jahre engagiert und vor allem mit Jugendlichen arbeitet, war sowohl treibende Kraft bei der Organisation des Pilgerwegs als auch ein anschauliches Beispiel für das, was engagierte Personen an guten Beziehungen über Grenzen hinweg entwickeln und an Versöhnungsarbeit auf persönlicher wie politischer Ebene anstoßen können.

Die Teilnehmenden haben in einem Tagebuch und teilweise in literarischen Texten ihre Erfahrungen beim Pilgern und ihre Dankbarkeit dafür festgehalten. Die Organisatoren von RAVANGRAD haben den Pilgerweg und das Interesse der Teilnehmenden als große Unterstützung und Bestätigung ihrer Arbeit erlebt und im Zusammenhang mit der Vorbereitung neue Kontakte zu Organisationen aus dem Bereich Umweltpflege geknüpft, die auch zukünftige Kooperationen ermöglicht.

ottoundchristoph

„Als Kooperationspartner fühlen wir uns in unserer Friedensarbeit auf dem Balkan und in Südafrika sehr getragen.“

Otto Raffai und Christoph Baumann